Warum Erinnern wichtig ist -  Nichts ist vergessen, niemand ist vergessen

Oberschule Ofenerdiek gestaltet den Erinnerungsgang 2019 anlässlich des Gedenkens an die Reichspogromnacht 

Wie kann man Schülerinnen und Schüler betroffen machen für ein Ereignis, das 81 Jahre zurückliegt? Das war die zentrale Frage bei der Planung des Erinnerungsganges, an dem sich die gesamte Schulgemeinschaft beteiligt hat.

Bereits vor den Sommerferien hat sich die Oberschule Ofenerdiek im Rahmen von Projekttagen mit den Themen Holocaust, Pogromnacht und mit der Geschichte des jüdischen Mädchens Ruth Simon aus Cloppenburg beschäftigt. Es gründeten sich für die Veranstaltung ein Schülerchor und eine Theater-AG, die auch weiterhin bestehen bleiben. Außerdem entstanden vielfältige Exponate, die in der Landesbibliothek ausgestellt wurden und beim Erinnerungsgang mitgetragen wurden: Zeichnungen zur Verdeutlichung der Geschichte der Familie von Ruth Simon, Aufstellschilder mit den Namen der 42 Teilnehmer des Deportationsganges, Silhouetten für die ermordeten und geflüchteten jüdischen Kinder, Banner und Symbolringe. Während der Ausstellungseröffnung in der Landesbibliothek hob der Schulleiter Christian Osterndorf hervor, dass erst seit 41 Jahren der Reichspogromnacht gedacht wird. Zudem würdigte er die Bereitschaft und das Engagement der gesamten Schule, sich dem Thema zu nähern. Besonderen Dank galt dem Hauptorganisator Klaus Erdmann und der SV-Lehrerin Margit Engel.

Faszinierend waren im Vorfeld der Besuch des jüdischen Jugendlichen Mosche, der seinen Bundesfreiwilligendienst in der Synagoge absolviert. Ebenso begeisterte der offene und warmherzige Austausch mit der Rabbinerin Alina Treiger in der Synagoge.

Die Einstimmung vor dem Erinnerungsgang fand im Rahmen einer Andacht in der Garnisonkirche statt. In einem kurzen szenischen Spiel wurde die Geschichte des Mädchen Ruth Simon dargestellt. In der anschließenden Predigt wies die Religionslehrerin Tanja Vollmer auf die erschreckende Aktualität hin. Beeindruckend stellten zwei Sprachlernschülerinnen Parallelen zu den Vorkommnissen in ihrer Heimat her. Reaktionen auf die Andacht zeigten, dass es der Schule gelungen war, sich dem Thema sehr authentisch und emotional zu nähern.

Hervorzuheben sind auch die gefühlvoll vorgetragenen Stücke des Chores unter der Leitung von Verena Weustermann und Katrin Eilers, der neben der Ausstellungseröffnung auch die Andacht und den Abschluss des Erinnerungsganges gestaltet hat. Mit Liedern wie „Donna Donna“, einem Lied, das die Situation der Juden in der Zeit des Dritten Reiches reflektiert und dem israelischen Volkslied „Hevenu Shalom Alechem“ wurde die Sehnsucht nach Frieden für die ganze Welt ausgedrückt und von vielen Anwesenden im Innenhof des Gefängnisses mitgesungen.

Bevor die Schulsprecher Linus Karkosch, Fenja Kriese und Sherin Gümüs die Öllampe an Vertreter der nächsten ausrichtenden Schule übergaben, appellierten sie: „ Es ist wichtig, dass wir uns aktiv mit der Geschichte auseinandersetzen, damit heute und morgen niemand wegen seiner religiöse Zugehörigkeit oder auch seiner Herkunft angegriffen und ausgegrenzt wird. Wir wollen eine friedliche Gesellschaft.“ Sie stellten klar, wie notwendig Erinnern auch nach 81 Jahren ist. 

Cornelia Fesser

Tanja Vollmer